Corona belastet Kinder extrem


Keine Freunde, kein Sport
Corona belastet Kinder extrem

Kinder stecken viel weg, sagt man immer. Doch in puncto Coronapandemie scheint das nicht zuzutreffen. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie leidet fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten, so eine aktuelle Studie.

Wieder über 1000 Kinder befragt

Schon im ersten Lockdown wurden im Rahmen der COrona-und PSYche-Studie (COPSY) 7 bis 17-Jährige zu den Auswirkungen der Pandemie auf ihre seelische Gesundheit und ihr Wohlbefinden befragt. Mitte Dezember bis Mitte Januar starteten die Forscher*innen des Universitätsklinikums Hamburgs eine zweite Befragungswelle mit mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen und über 1600 Eltern. Die Ergebnisse sind weiterhin wenig erfreulich.

Die allermeisten fühlen sich stark belastet

85% der Kinder und Jugendlichen fühlten sich durch die Coronapandemie stark belastet, beim ersten Lockdown Mai/Juni 2020 waren dies mit 70% etwas weniger. Schon vor der Krise hatten 3 von 10 Kindern eine reduzierte Lebensqualität. Im ersten Lockdown stieg dieser Anteil jedoch auf 6 von 10, im Zeitraum Dez/Januar 2021 auf 7 von 10.

Die Schulsituation schilderten 90% der Kinder als genauso oder sogar noch anstrengender als im ersten Lockdown. Nur 10 % der Kinder haben sich offenbar daran gewöhnt und fühlen sich inzwischen weniger belastet als damals. Verschlechtert hat sich außerdem bei 40% der Befragten ihr Verhältnis zu Freunden. Das Gleiche gilt für das Gesundheitsverhalten: Inzwischen machen zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie keinen Sport mehr, im ersten Lockdown waren dies nur doppelt so viele. Auch die Ernährung bleibt suboptimal, es werden weiterhin zu viele Süßigkeiten verzehrt.

Insgesamt gibt es auch mehr Streit in den eigenen vier Wänden. Besonders betroffen sind davon sozial schwache Familien in beengtem Umfeld. Hier haben Wut, Aggressionen und psychosomatische Beschwerden deutlich zugenommen.

Die Quittung: Ängste und Kopfschmerzen

Da wundert es nicht, dass sowohl im ersten wie auch im zweiten Lockdown jedes dritte Kind psychische Auffälligkeiten zeigt (vor Corona waren es 2 von 10). Typische Beschwerden sind Ängste und Sorgen, Niedergeschlagenheit und vor allem auch Kopf- und Bauchschmerzen. Offenbar haben sich die Kinder nicht wie erhofft an die schwierige Situation und die Unsicherheiten gewöhnt, erklärt Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie.

Gute Familienstruktur hilft

Helfen kann den Kindern ein guter Familienzusammenhalt, betont Ravens-Sieberer: „Unsere Ergebnisse zeigen erneut: Wer vor der Pandemie gut dastand, Strukturen erlernt hat und sich in seiner Familie wohl und gut aufgehoben fühlt, wird auch gut durch die Pandemie kommen.“ Sie fordert verlässlichere Konzepte, um insbesondere Kinder aus Risikofamilien zu unterstützen und ihre seelische Gesundheit zu stärken.

Quelle: COPSY-Studie

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